Neues Buch über Laufer Persönlichkeiten vorgestellt
Alfred Graf erzählt von ortsprägenden Laufern und kuriosen Geschichten
Wie kommen Kinder in den Bauch der Mamas und wenn sie gewachsen sind, wie kommen sie wieder heraus? Da früher viele Eltern, Lehrer und Pfarrer um eine klare Antwort ziemlich verlegen waren, bekamen Generationen von Jungbürgern in Lauf eine märchenhafte Wahrheit aufgetischt: „Die Kinder kommen aus dem Kindelsbrunnen.“ Wer diese „Aufklärung“ aus alten Laufer Tagen noch etwas genauer erfahren will, findet dazu eine köstliche, aber wahre Geschichte in dem neuesten Buch des Ortshistorikers Alfred Graf. „Laufer Persönlichkeiten und ihre Geschichten“ hat er sein siebtes Buch überschrieben, in dem sich 20 Porträts von Bürgern befinden, die wie die Hebamme Barbara Zimmer (1888–1977) wieder zum Leben erweckt werden. Während ihrer aktiven Zeit als Hebamme bis 1959 hat sie in 47 Jahren sage und schreibe 1.170 Kindern bei Hausgeburten auf den Weg ins Leben begleitet. Wie vielen Kindern sie selbst etwas über die streng geheimen Mysterien der Entstehung neuen Lebens erzählte, lässt sich nur erahnen.
Aber neben dem Haus von Barbara und Rudolf Zimmer in der Laufbachstraße befand sich tatsächlich ein Brunnen – der „Kindelsbrunnen“. „Für unsere Gemeinde ist es ein großer Gewinn, einen Heimatforscher wie Alfred Graf zu haben“, meinte Bürgermeisterin Bettina Kist (parteilos) bei der Präsentation mit dem Verleger Roland Klöpfer aus Ottersweier. Er hat das Buch wieder vorfinanziert. Die Gemeinde unterstützt die Arbeit. Interessierte können das Buch bei der Tourist-Info sowie in der Bäckerei Gartner und beim Verleger kaufen. Dieses Werk mit mehr als 100 Seiten ist auch für Nicht-Laufer interessant. Es werden Persönlichkeiten wie der Facharzt Walter Wey beschrieben, der 1946 mit seiner Landarztpraxis die Grundlage für die medizinische Versorgung der Bürger weit über Lauf hinaus legte. Sehr interessant ist auch die Geschichte der Nobelrestaurant-Dynastie „Horcher“, die 1870 mit den Eheleuten Justina und Xaver Horcher ihren Anfang nahm und über ein Restaurant in Berlin 1943 nach Madrid führt und bis heute im Herzen der Metropole klassische Eleganz und erlesene Kulinarik präsentiert.
Für die Bürgermeisterin ist die Mischung der Personen interessant, die Berufe von Bürgermeister über Arzt, Hebamme, Busfahrer und Schulmeister hatten. Auch Adlige, Gourmet-Experten und Schuhmacher sind darunter. „Es sind alles Leute, die mit etwas Positivem belegt sind und mit denen sich heutige Bürger gut identifizieren können“, so Bettina Kist. Dafür bedankt sie sich bei Alfred Graf, der wieder bienenfleißig recherchierte und Personen ans Licht der Öffentlichkeit hob, die wie der Ratsschreiber und Heimatforscher Paul Hund unendlich viel Arbeit für das historische Gedächtnis der Gemeinde leisteten.
Besonders beeindruckt ist Bettina Kist von ihrem Amtsvorgänger Josef Rummel (1928–1946), der sich mit den Nazis anlegte, Widerstand leistete und denunziert wurde. Denn wie in allen Orten, so waren auch in Lauf französische Kriegsgefangene auf den Bauernhöfen, gegenüber denen sich Josef Rummel „in vorbildlicher Weise menschlich verhielt“. Dies war den NS-Funktionären ein Dorn im Auge. Sie verurteilten ihn zu einer Geldstrafe und legten ihm Amtsverzicht nahe. Das lehnte er ab. Doch ständige Bespitzelung und Denunzierung sorgten dann doch dafür, dass er 1944 das Bürgermeisteramt verlor. Aber gleich nach dem Krieg wünschten ihn sich die Bürger zurück, denn durch die Besatzung und den Zuzug von Flüchtlingen herrschten neben Hunger und Not viele Probleme. Die Franzosen rehabilitierten Rummel und würdigten ihn als jemand, „der sich wie ein Vater um die französischen Kriegsgefangenen sorgte“.
Bei der Beschäftigung mit Auswanderern aus Lauf im 19. Jahrhundert wurde Alfred Graf über das älteste Laufer Haus (1647), auf Franz und Sophie Familie Huber aufmerksam, die nach Amerika aus- wanderten. Ihre Tochter Leonora war sehr intelligent, hatte eine hohe Sprachkompetenz und besuchte eine Fachschule für die Büroarbeit. Sie muss so gut gewesen sein, dass sie im „Office of Chief of Councel for War Crimes“ (Büro für Kriegsverbrechen) arbeitete und zu einem Prozess von weltweiter Bedeutung beordert wurde: zu den Nürnberger Prozessen, bei denen sie simultan dolmetschte, als Nazi-Schergen wie Martin Bormann, Hermann Göring, Alfred Jodl oder Wilhelm Keitel zum Tode verurteilt wurden.
Text: Roland Spether



