Baumanstrich zum Schutz junger Bäume
Am 30.5. haben Mitglieder der Bürger: inneninitiative LOS4Klima mit ihrem fachmännisch beratenden Gärtnermeister Franz Rettig die durch diese Initiative gepflanzten Jungbäume am Sportplatz in Lauf und am Rückhaltebacken in Ottersweier mit einem Schutzanstrich versehen, der insbesondere gegen die Sonneneinstrahlung wichtig ist. Das Material und einiges Equipment wurde von Franz Rettig besorgt und zur Verfügung gestellt, die Gemeinden Lauf und Ottersweier übernehmen die Materialkosten.
Was ist ein Baumanstrich?
Der klassische weiße Baumanstrich – auch Kalkanstrich genannt – ist eine bewährte Methode, um Baumstämme zu schützen. Junge Bäume werden dabei vom Erdboden bis zum unteren Astgerüst mit einer weißen, kalkbasierten Paste bestrichen. Es erfolgt aber zunächst ein Voranstrich, der sehr gut am Stamm haftet und dafür sorgt, dass die eigentliche Stammschutzfarbe ca. 10 Jahre haften kann und mit dem Stamm mitwächst.
Man sollte beide Anstrichfarben im Fachhandel kaufen, denn andere Mischungen halten unter Umständen nur sechs Monate und waschen sich wieder ab, so unser Gärtnermeister Franz Rettig.
Warum werden Bäume weiß angestrichen?
Der weiße Anstrich erfüllt mehrere wichtige Schutzfunktionen, insbesondere bei Jungbäumen:
- Frostschutz: Die weiße Farbe reflektiert Sonnenlicht und verhindert so starke Temperaturschwankungen in der Rinde. Diese können sonst zu Frostrissen führen, junge Bäume sind noch glatter und haben eine empfindliche Rinde.
- Hitzeschutz im Sommer: Auch bei Hitze bewahrt der Anstrich die natürliche Elastizität der Rinde und beugt Rissen vor.
- Schutz vor Wildverbiss: Der bittere Geschmack des Kalks hält Rehe und andere Wildtiere davon ab, an der Rinde zu knabbern. Das ist entscheidend, weil die Leitgefäße direkt unter der Rinde verlaufen – Bissschäden können den gesamten Wasser- und Nährstofftransport des Baums zerstören.
- Schutz vor Schimmel und Schädlingen: Der alkalische Kalk hemmt Pilze und andere Schadorganismen.
Bäume sind weit mehr als Holzlieferanten – sie sind unverzichtbare Stützen unserer Ökosysteme. Über die Photosynthese nehmen Bäume Kohlendioxid aus der Luft auf, speichern den Kohlenstoff im Holz und im Waldboden – und geben Sauerstoff ab. Wälder binden diesen Kohlenstoff über Jahrhunderte. Bäume filtern nicht nur CO₂, sondern auch Stickstoff und andere Schadstoffe. Über Wurzeln und Blätter nehmen sie Wasser auf, reinigen es und geben überschüssiges Wasser gereinigt wieder ab. Ein einziger Baum kann Hunderten von Tier-, Pilz- und Pflanzenarten als Lebensraum dienen. Der Verlust von Bäumen bedeutet immer auch Verlust von Artenvielfalt.
Besonders alte Bäume zu erhalten und zu stärken ist eine wichtige Aufgabe. Angesichts des Klimawandels ist jedoch jeder Baum ein aktiver Beitrag zur Umwelt für sauberere Luft und ein stabileres Klima. Städte, die darauf besonders angewiesen sind gehen daher mit dem Luftfilter und Wohlfühlgarant Baum oft sehr vorsichtig um und schützen ihn.
Aber auch außerhalb von Städten sind Bäume einfach wichtig.
„Jeder Baum macht glücklich“, denn Menschen sind weniger depressiv, wenn sie Bäume vor der Tür haben.
Und: je älter ein Baum ist, desto mehr leistet er. Eine 80 Jahre alt Linde bildet jährlich 89 000 Liter Sauerstoff und bindet 160 Kilogramm CO₂, eine 20 Jahre alte Linde bildet dagegen nur 10 000 Liter Sauerstoff und bindet 18 Kilogramm CO₂. Für einen gefällten Altbaum mit einer 20m großen Krone braucht es etwa 400 Jungbäume um den Verlust auszugleichen.
Regina Steinmann, Mitglied LOS4Klima



